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Reisebericht Brasilien: São Luís und Lençóis Maranhenses

So, 10.4.2011
Früh morgens fuhr uns der Taxifahrer des Hostels, der uns bereits vom Busbahnhof abgeholt hatte, zum Flughafen. Dabei legte er einen derartig rasanten Fahrstil an den Tag, dass uns angst und bange wurde - von konsequent ignorierten roten Ampel mal ganz abgesehen.

Erleichtert erreichten wir schließlich überpünktlich den Flughafen. Um diese Zeit war noch nicht viel los, zum Glück hatte aber immerhin eine Cafeteria offen, so dass man zumindest einen Kaffee bekam.

Unser Inlands-Flug mit der brasilianischen TAM machte einen kurzen Zwischenstop in Fortaleza, ehe es zu unserem Zielflughafen São Luís weiterging. Leider waren Wetter und Sicht mäßig, so dass uns der Blick auf die weitläufige Dünenlandschaft des Nationalparks Lençóis Maranhenses verwehrt blieb.

In der Reggae-Hauptstadt São Luís angekommen, wurden wir zu einem provisorischen Zelt gebracht, wo unser Gepäck auf einem Tisch ausgelegt war. Beim Blick auf die nebenan aufgereihten Dixiklos bereute ich es, nicht noch schnell im Flugzeug die Toilette aufgesucht zu haben.

São Luís Da es regnete, fuhren wir per Taxi zu unserer Pousada. Schon auf der Fahrt bekam man den Eindruck, dass der Nordosten deutlich ärmlicher und heruntergekommener ist als der Süden des Landes.

Unsere Unterkunft lag im historischen Zentrum von São Luís. Nachdem wir uns kurz frisch gemacht hatten, wollten wir uns in der Gegend umsehen, wurden aber vom Hotelpersonal sogleich in unserem Elan gebremst. Sonntags ist die Altstadt weitgehend ausgestorben, weshalb es gefährlich ist, zu dieser Zeit dort unterwegs zu sein - schon gar nicht ist es ratsam mit Kamera oder sonstigem potentiellen Diebesgut herumzulaufen. Wir drehten also nur eine kleine Runde, aber in der Tat war es etwas unheimlich, so dass wir bald zum Hotel zurückkehrten.

Als Alternative wurde uns empfohlen, zum Essen an die Strände Praia de Calhau oder Praia São Marcos zu fahren. Per Taxi ging es also zum neueren Stadtteil nördlich des historischen Zentrums. Hier wurden - und werden nach wie vor - viele Hochhäuser gebaut. Wer es sich leisten kann, zieht aus der Altstadt hierher.
An der Straße entlang der Strände stehen kleine runde Hütten, wo man essen und trinken kann. Wir schlürften zum Essen den erfrischenden Inhalt einer "Coco gelado" (gekühlte Kokosnuss) und schauten nebenbei den brasilianischen Jungs beim Kicken am Strand zu. So haben wohl die meisten großen brasilianischen Fußballer mal angefangen.

Mo, 10.4.2011
Heute war die Altstadt schon deutlich belebter, so dass wir uns zu Fuß aufmachten, die Stadt zu erkunden.
Die kolonial geprägte Altstadt von São Luís gehört zum Weltkulturerbe der Unesco. Es gibt einige wunderschöne restaurierte Häuser, doch der Großteil der Bausubstanz ist in einem üblen Zustand. Einige Häuser sahen aus, als würden sie jeden Moment zusammenfallen, aus einigen Hauswänden wuchsen bereits Bäume... Obwohl angeblich einiges getan wird, müsste man hier noch deutlich mehr investieren.

In einem Buffet-Restaurant, wo nur Einheimische waren, aßen wir lecker zu Mittag. Überhaupt traf man zu dieser Jahreszeit kaum andere Touristen an, die Hochsaison beginnt erst nach Ende der Regenzeit im Sommer. Während der Regenzeit muss man zwar täglich mit Niederschlägen rechnen, meist ist es aber eher kurz und heftig und regnet sich nicht gleich den ganzen Tag ein, wie man das aus Deutschland kennt.

Ein Erlebnis war der Besuch der Markthalle, wo wir uns auf den Kauf von Wasser und Bananen beschränkten. Die schnatternden Gänse und anderes Getier ließen wir hingegen lieber in ihrem Käfig weiterschnattern.

Wir bummelten noch die Einkaufsstraße entlang, wo ebenfalls einiger Betrieb war, hier schien allerdings Vorsicht vor Taschendieben angebracht.

Abends aßen wir in der Pousada eine Kleinigkeit. Solcherlei Kleinigkeiten laufen in Brasilien übrigens oft auf Hamburger und Pommes ("batatas fritas") hinaus, beides steht bei den Brasilianern hoch im Kurs.

Di, 11.4.2011
Heute wollten wir Alcântara besuchen. Von den Cais da Praia Grande aus gelangt man per Schiff über die Baia de São Marcos in die koloniale Kleinstadt. Zum Glück sah unser Schiff, die "Diamantina" etwas vertrauenerweckender aus als die anderen Holzkähne, die noch so am Kai herumlagen.

Cais da Praia Grande in São Luís Die Überfahrt war etwas schaukelig. Unterwegs lernten wir noch eine Deutsche kennen, die hier in der Tourismusbranche arbeitet und mit zwei Kolleginnen aus Rio auf "Dienstreise" nach Alcântara war. Wir erfuhren so zum Beispiel, dass in São Luís durch den rasanten, auf schnelles Geld ausgelegten Ausbau der Neustadt die Altstadt vernachlässigt wird. Das Bewusstsein, dass man solcherlei Kulturgut erhalten sollte, ist in Brasilien nicht überall so ausgeprägt, man denkt eher kurzfristig. Die weit verbreitete Korruption tut ihr Übriges. In der Altstadt leben heute hauptsächlich nur noch die ärmeren Bevölkerungsschichten.

In Alcântara kann man alles gut zu Fuß erkunden, der Ort ist klein. Wie wir im Nachhinein feststellten, wäre es nicht schlecht gewesen, eine Führung zu machen, um etwas mehr Hintergrundinformationen zu bekommen. In der kleinen Touristeninformation an der Anlegestelle bieten einige Führer ihre Dienste an.

Alcântara war einst eine reiche Stadt mit vermögenden Einwohnern. Heute ist die Stadt teilweise verlassen, es gibt sowohl gut erhaltene als auch verfallene Gebäude aus der Kolonialzeit. Sehenswert ist vor allem der der Praça de Matriz, wo ein alter Pelourinho - ein Pfahl zum Auspeitschen – und Reste einer alten Kirche zu sehen sind.
Auch die Ruinen eines alten Kaiserpalastes sind hier zu besichtigen, wenngleich sich der Kaiser hier nie aufgehalten hat.

Die Rückfahrt mit dem Boot verlief einigermaßen entspannt, außer, dass es durch das rostige Dach tropfte (solange nur das Dach durchgerostet ist, kann man ja noch darüber hinweg sehen...).

Ampeln in São Luís Zurück in São Luís, buchten wir unsere Tour nach Lençóis Maranhenses in einem kleinen Reisebüro gegenüber der Pousada. Es gibt diverse Tour-Anbieter, die preislich alle nicht weit auseinander liegen. Bei unserem Reisebüro war allerdings etwas unpraktisch, dass man eine Anzahlung in bar entrichten musste, so dass wir erst wieder zu Bank gehen mussten.

Außerdem besorgten wir schon einmal ein Busticket zur späteren Weiterfahrt nach Parnaíba. Dies war allerdings nicht so einfach, da wir nicht extra zum Rodoviário fahren wollten. Schließlich fanden wir ein kleines Reisebüro, wo wir nach etwas Verhandeln die Tickets erstanden.

Am Abend gingen wir in die "Ausgehmeile"und aßen draußen im Restaurant Antigamente. Etwas Zeit sollte man mitbringen, wir warteten nämlich ziemlich lange auf unser Essen. Offenbar waren einige Zutaten ausgegangen und mussten erst besorgt werden. Dafür entschädigt jedoch die Atmosphäre im Herzen der Altstadt. Es gab zudem Live-Musik, die im Übrigen später als "coberto artistico" auf der Rechnung auftauchte.

Während wir so da saßen, kamen ständig fliegende Händler vorbei oder eine der zahlreichen bettelnden Katzen wollte ihren Anteil.
Zu Fuß gingen wir schließlich die zehn Minuten zur Pousada zurück. Von anderen Reisenden erfuhren wir später, dass man hier abends besser ein Taxi nehmen sollte. Das schien uns eigentlich nicht notwendig, aber mag auch getäuscht haben. Grundsätzlich ist es aber immer ratsam, abends ohne Taschen rauszugehen, und nur etwas Geld lose in die Hosentasche zu stecken.

Mi, 12.4.2011
Früh morgens ging es mit dem Bus ging es in etwa vier Stunden nach Barreirinhas. Die Stadt ist Ausgangspunkt für Ausflüge zu den Dünen von Lençóis Maranhenses. Wir wurden zunächst zum Hotel gebracht.
Tour zu den Lençóis Maranhenses Am Nachmittag fuhren wir mit einem geländegängigem Truck zum Nationalpark. Unsere kleine Gruppe bestand außer uns nur aus Brasilianern, so dass wir ein wenig üben konnten.

Zunächst musste ein kleiner Fluß mit der Fähre überquert werden. Der Junge am Steuer war wohl bestenfalls fünfzehn, damit nimmt man es nicht so genau in Brasilien.

Die sandige Piste zu den Lençóis war ziemlich rumpelig. Da die Sitze nicht besonders gut gepolstert waren, musste man achtgeben, um weder mit dem Kopf an der Decke noch mit dem Hintern allzu hart auf dem Sitz zu landen. Gut festhalten war jedenfalls ratsam.

Zwischendurch ging es immer wieder durch Wasserlöcher. Wir fuhren mit anderen Trucks bzw. Jeeps im Konvoi. Prompt blieb eines der anderen Fahrzeuge im Wasser stecken, so dass unser Truck dieses wieder herausziehen musste.

Schließlich erreichten wir gut durchgeschüttelt den Rand der "Bettlaken von Maranhão". Soweit man schaute, sah man nichts als Dünen, was tatsächlich an ein etwas unordentliches Bettlaken erinnerte. Insgesamt erstreckt sich das Gebiet über 70 Kilometer Länge und 50 Kilometer Breite.

Lençóis Maranhenses Da gerade Regenzeit war, hatten sich viele kleinere Seen gebildet, was beeindruckend aussah. Einer der größten Seen ist die Lagoa Azul, wo man auch baden kann. Wir steckten die Füße ins Wasser und genossen die Aussicht von den Dünen.

Gegen späten Nachmittag machten wir uns auf den Rückweg. Vor der Fähre gab es noch einen kurzen Zwischenstop, wo neben Kaffee auch Tapiokas verkauft wurden. Tapiokas sind eine Art Pfannkuchen, die hauptsächlich aus Maniokmehl bestehen und zum Beispiel mit Doce de leite oder Kokosraspeln gegessen werden. Im Nordosten sind Tapiokas eine beliebte Mahlzeit.

Barreirinhas selbst ist ein kleinerer Ort und hat nicht allzu viel zu bieten. Da wir sowieso müde waren, verzichteten wir darauf, uns irgendwo ein Restaurant zu suchen und aßen stattdessen im Hotel eine Kleinigkeit. In unserem Zimmer hatten wir derweil einen Mitbewohner, nämlich einen Frosch, der es sich über der Tür bequem gemacht hatte. Zum Glück war er ein ruhiger Artgenosse.

Do, 13.4.2011
Nach dem Frühstück wurden wir zunächst von einem Taxi zum Reisebüro gebracht, wo wir noch die restliche Zahlung für den Ausflug leisten mussten. Ein etwas umständliches Procedere, aber zumindest musste man diesmal nicht in bar bezahlen.

Auf dem Rio Preguiça Nahe des Reisebüros startete dann auch unsere Bootstour auf dem Rio Preguiça. Mit einem Motorboot ging es bei strahlendem Sonnenschein in Richtung Caburé.
Unterwegs machte unser Führer immer mal wieder Station und erklärte uns etwas, zum Beispiel über die Pflanzen am Rande des Flusses.

Den ersten Halt legten wir bei einem Rastplatz am Wegesrand ein, wo man in einer Hütte etwas essen und nebenbei zutrauliche Äffchen beobachten konnte. Wahrscheinlich beäugten uns die neugierigen Äffchen nicht minder interessiert. Nebenan erstreckte sich wiederum eine weitläufige Dünenlandschaft.

Der nächste Zwischenstop war der Ort Mandacaru. Dort bestiegen wir den Leuchtturm Preguiça und genossen den Ausblick über die Umgebung.

Leuchtturm Preguiça in Mandacaru Letzte Station war dann Caburé. Der kleine Ort besteht nur aus einigen Häusern und Hütten am Strand und ist an zwei Seiten von Wasser umgeben. Auf einer Seite fließt der Rio Preguiça, die andere Seite ist dem Meer zugewandt. Hier machten wir eine längere Pause, aßen und wanderten am Strand entlang.

Während der Unterhaltung mit einem brasilianischen Mitreisenden kam es zu einem kleinen Mißverständnis, da er uns offenbar zunächst für Albaner hielt (eine falsche Betonung bei der Aussprache machte aus Alemanha Albania) und einige neugierige Fragen über unser exotisches Herkunftsland stellte. Wir hatten ja schon einiges über die sehr rudimentären brasilianischen Geographie-Kenntnisse gehört, weshalb wir bereitwillig erläuterten, dass wir aus Europa kommen und Frankreich und Großbritannien grob in der Nähe unseres Herkunftslandes liegen... Der Irrtum klärte sich später allerdings auf.

Am Strand von Caburé Mittlerweile braute sich der nächste Regen zusammen, so dass auf dem Rückweg unsere eingepackten Regenjacken zum Einsatz kamen.

Zurück im Hotel hatten wir noch Zeit, die nassen Sachen zu wechseln, bevor es per Kleinbus zurück nach São Luís ging.

Die Rückfahrt verlief zunächst ereignislos, ehe es zunehmend zu schütten begann und immer größere Wasserlachen auf der Straße die Fahrt erschwerten. Wir hatten bereits São Luís erreicht, als zunächst gar nichts mehr voran ging und wir uns schließlich in einem Fluß wiederfanden, der einmal eine Straße gewesen war. Die meisten Autofahrer hatten sich schon an die Tankstellen am Rand geflüchtet, in einige Häuser lief bereits Wasser und unser Busfahrer wurde merklich nervös (wir im Übrigen auch).

Während wir beunruhigt die Wassermassen um uns beobachteten, unterhielten wir uns auf Englisch mit einer mitreisenden Brasilianerin aus São Paulo, die kein gutes Haar an São Luís ließ ("everything is dirty and heavy rain that you normally only see in the TV..").

Der Busfahrer hatte nach einigen hektischen Telefonaten mit einem Kollegen schließlich einen Ausweg aus der Misere gefunden und fuhr über einen Umweg den Berg hinauf ins Trockene.

Erleichtert kamen wir schließlich im Hotel an.

Fr, 14.4.2011
São Luís Am Morgen war wieder strahlender Sonnenschein und vom gestrigen Unwetter nichts mehr zu erahnen. Wir machten uns einen entspannten Tag in São Luís und bummelten durch die Altstadt. Wir landeten unter anderem im Casa das Tulhas, einem alten Marktgebäude, wo es verschiedene Gewürze, aber auch in Flaschen eingelegte Krebse zu kaufen gab.

Zwischendurch gönnten wir uns einen frisch gepressten Saft. In Brasilien ist die Auswahl an Säften groß, beliebt sind z.B. Mango, Maracuja oder Ananas, sehr lecker schmeckt auch die Kombination von Ananassaft mit klein gehackten Minzeblättchen ("Abacaxi com Hortelã").

Nachmittags waren wir noch im Solar dos Vasconcelos, wo das Memorial do Centro Histórico untergebracht ist. Neben einigen kleinen Bootsmodellen aus der Gegend sind hier die Restaurierungen dokumentiert, die in den letzten Jahren im Centro Histórico vorgenommen wurden. Offenbar sah es in der Altstadt schon mal weitaus schlimmer aus.

Einen Besuch wert war auch das Cafua das Mercês. Früher Zentrum des Sklavenhandels, ist hier jetzt eine kleine Ausstellung mit Schnitzereien und kleinen Statuen aus Afrika zu sehen. Eine Studentin erläuterte uns die Sammlung, wobei wir allerdings nicht all ihren Ausführungen folgen konnten, was unsere Führerin nahezu in die Verzweiflung trieb.

Ebbe in São Luís - Blick zur Neustadt Am Abend packten wir unsere Sachen und fuhren mit dem Taxi zum Rodoviário von São Luís. Wir gingen noch zum Schalter, um Tickets für die Weiterfahrt von Parnaíba nach Camocim zu kaufen. Wiederum hatten wir dabei ein leichtes Kommunikationsproblem, doch nach einigem Hin und Her gelang es uns, die gewünschten Tickets für den gewünschten Tag (übermorgen! Nein, nicht morgen...) zu erstehen.

Erwähnenswert wäre noch die widerlichste Rodoviário-Toilette der Reise und die "Einsteigegebühr", um überhaupt auf den Bussteig gelassen zu werden – auch das war einmalig.

Schließlich saßen wir im Bus, die Fahrt verlief zunächst ganz entspannt, bis in der Nacht die Klimaanlage ausfiel. Normalerweise sind die Klimaanlagen gerne viel zu kalt eingestellt, man tut gut daran, sich etwas zum Überziehen mitzunehmen. So ganz ohne Klimaanlage herrschten dafür Sauna-ähnliche Zustände. Zum Glück war es nicht mehr so weit, und bereits um kurz nach vier erreichten wir Parnaíba. Dort nahmen wir ein Taxi zum Hotel und konnten auch gleich einchecken und uns noch eine Runde hinlegen.


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